Glossar

zum Interview mit Birgitta Tummel:
»WENN DIE ERNÄHRUNG BAUCHWEH VERURSACHT«

Apfel auf Bücherstapel

♦Nahrungsmittelunverträglichkeit

Wenn der Körper bestimmte Nahrungsmittel oder Nahrungsbestandteile nicht verdauen kann, »verträgt« er diese nicht. In den meisten Fällen ist die Unverträglichkeit angeboren, also genetisch bedingt. Sie kann aber auch durch Krankheiten des Darms ausgelöst werden. Nach Schätzungen sind Nahrungsmittel-Intoleranzen in der Bevölkerung sehr häufig. Sie sind nicht heilbar, können aber durch die Ernährung gut reguliert werden.

♦Laktose-Intoleranz

Die Unverträglichkeit des Milchzuckers ist die häufigste Nahrungsmittelunverträglichkeit. Betroffene Menschen können Milchzucker (Laktose) nicht verdauen, da in ihrem Dünndarm das Verdauungsenzym Laktase nur in geringen Mengen produziert wird oder ganz fehlt. Nehmen sie laktosehaltige Speisen zu sich, kann das zu Bauchkrämpfen, Blähungen, Übelkeit oder Durchfall führen.

Laktose ist ein Zweifachzucker, der aus Traubenzucker (Glukose) und Schleimzucker (Galaktose) besteht. Die Laktase spaltet im Dünndarm die Laktose vollständig in ihre Bestandteile, damit diese über die Darmschleimhaut aufgenommen werden kann. Funktioniert dieser Vorgang nicht, wird der Milchzucker nicht vollständig verdaut. Die Rest-Laktose wird von den Bakterien im Dickdarm abgebaut. Dabei entstehen organische Säuren und Gase, die die typischen Beschwerden verursachen.

Die Laktase-Produktion sinkt im Laufe der Kindheit ab. In welchem Ausmaß dies geschieht, ist je nach geografischer Region sehr unterschiedlich.

Medizinisch diagnostiziert werden kann sie durch einen Wasserstoff-Atemtest und durch einen ein Blutzuckertest (Laktosetoleranztest).

♦Fruktose-Malabsorption

Wird Fruchtzucker (Fruktose) nicht vertragen, liegt dies an einem defekten Transportmechanismus der Darmwand. Normalerweise sorgt ein sogenannter Fruktosetransporter dafür, dass der Fruchtzucker durch den Dünndarm in den Körper wandern kann. Funktioniert dieser Transport nicht oder nicht ausreichend, wandert die unverdaute Fruktose weiter in den Dickdarm und wird von den vorhandenen Darmorganismen abgebaut. Je nach Zusammensetzung der Darmflora kann dies zu unangenehmen Beschwerden wie Blähungen und Durchfall, aber auch zu depressiven Verstimmungen führen.

Fruchtzucker ist in Obst, Obstsäften, Honig und in manchen Gemüsesorten enthalten. Als Rohstoff und Süßungsmittel versteckt er sich aber auch in überraschend vielen industriell verarbeiteten Nahrungsmitteln, zum Beispiel in Softdrinks, Schoko- oder Fitness-Riegeln, Fertiggerichten, Milchprodukten und Speiseeis.

Es gibt unterschiedliche Schätzungen, wie viele Menschen betroffen sind. Nicht alle haben Beschwerden.

Diagnostiziert werden kann die Fruktose-Malabsorption bei Verdacht durch einen Wasserstoff-Atemtest. Für Betroffene ist wichtig, sich in jedem Fall professionell beraten zu lassen – und nicht auf eigene Faust die Ernährung umzustellen oder bestimmte Lebensmittel zu vermeiden.

♦Gluten-Unverträglichkeit (Zöliakie)

Der Darm betroffener Menschen reagiert empfindlich auf das Gluten (Klebereiweiß), das in fast allen bei uns üblichen Getreidesorten enthalten ist. Werden trotz Unverträglichkeit regelmäßig glutenhaltige Nahrungsmittel gegessen, entzündet sich die Dünndarmschleimhaut und nimmt nicht mehr ausreichend Nährstoffe auf. Die Folge können Verdauungsstörungen, Gewichtsverlust und Mangelerkrankungen sein.

Es gibt unterschiedliche Schätzungen zur Häufigkeit der Zöliakie in Mitteleuropa, diese reichen von einer von 1.000 Personen, die daran leidet, bis zu einer von 100 Personen. Im Vergleich zu den weiteren vorgestellten Unverträglichkeiten ist die Zöliakie ist eine selten auftretende Erkrankung.

Nach derzeitigem Wissensstand trägt die Zöliakie sowohl Merkmale einer Allergie als auch einer Autoimmunerkrankung. Gluten wird vom Immunsystem fälschlicherweise als Feind betrachtet und bekämpft. Körpereigene Antikörper richten sich dann gegen das Gluten und gleichzeitig gegen körpereigene Strukturen. Die einzige Behandlungsmöglichkeit besteht derzeit darin, glutenhaltige Nahrung zu vermeiden. So kann sich die Darmschleimhaut erholen und die Beschwerden zurückgehen.

♦Nahrungsmittelallergien

Bei einer Nahrungsmittelallergie liegt kein Mangel vor, wie beispielsweise der Mangel des Verdauungsenzyms Laktase. Es ist eher so, dass der Körper zu stark reagiert. Der Körper reagiert überempfindlich auf Nahrungsmittel und setzt ein Abwehrsystem in Gang. Er bildet Antikörper, die dafür sorgen, dass Histamin und andere Gewebshormone freigesetzt werden.

Das Histamin sorgt für allergische Reaktionen wie

  • Hautrötungen
  • Schwellung der Luftröhre
  • Reaktionen der Schleimhäute, tränende Augen oder Nase
  • Hautausschläge, gerötete oder juckende Haut
  • Durchfall
  • Asthma, Luftnot

Viele Menschen glauben, sie seien allergisch, und meiden manche Lebensmittel. Tatsächlich sind Nahrungsmittelallergien eher selten. Nur etwa rund 5% der Erwachsenen in Deutschland haben eine ärztlich diagnostizierte Allergie auf Nahrungsmittel. Meist handelt es sich hierbei um pollenassoziierte Nahrungsmittelallergien (Kreuzallergien), zum Beispiel gegen Nüsse oder bestimmte Obst- und Gemüsesorten.

Bei Verdacht: am besten ärztlich abklären, ob tatsächlich eine Allergie vorliegt, und eine Behandlung abstimmen. Diagnostiziert werden kann die Allergie durch einen Hauttest oder eine Blutuntersuchung. Alle allergieauslösenden Lebensmittel müssen natürlich vom Speiseplan gestrichen werden. Geheilt werden kann eine Nahrungsmittelallergie nicht.

Lest mehr dazu im Interview mit der Ernährungswissenschaftlerin Birgitta Tummel 

(ae)

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