Vegetarische Ernährung

Kein Fleisch mehr

Vegetarier essen kein Fleisch, das ist zunächst einmal das verbindende Merkmal. Aber es gibt verschiedene Typen und Ernährungsweisen innerhalb dieser heterogenen Gruppe. Dies reicht von sehr milden Formen des Verzichts bis zu sehr radikalen Einstellungen und Lebensweisen. Auch die (Hinter-) Gründe für den Fleischverzicht sind unterschiedlich.

Natürlich gibt es Übergangsformen und Teilzeitvegetarier, doch grundsätzlich lassen sich sieben verschiedene Vegetarier-Typen unterscheiden:

  • Flexitarier
  • Pescetarier
  • Ovo-Lakto-Vegetarier
  • Ovo-Vegetarier
  • Lakto-Vegetarier
  • Veganer
  • Frutarier

Avocado

Flexitarier

Diese „Teilzeitvegetarier“ versuchen, den Fleischkonsum bewusst zu reduzieren. Flexitarier essen nur selten und sehr bewusst Fisch, Fleisch oder Wurstwaren in möglichst guter Qualität. Streng genommen sind sie keine Vegetarier. Doch unter dem Eindruck der zahlreichen Tierhaltungs- und Fleischskandale scheint die Praxis der Flexitarier immer mehr Anhänger zu finden.

Pescetarier

Sie essen kein Fleisch, verzehren jedoch Fisch, Eier und Milchprodukte.

Ovo-Lakto-Vegetarier

Sie verzichten auf Fleisch und Fisch, essen aber Milchprodukte und Eier.

Ovo-Vegetarier

Sie essen kein Fleisch und keinen Fisch, verzichten auch auf Milchprodukte, essen dafür aber Eier. Teilweise wird diese Ernährungsform auch aus gesundheitlichen Gründen gewählt, zum Beispiel wegen einer Laktose-Unverträglichkeit oder Laktose-Allergie.

Lakto-Vegetarier

Für diese Gruppe sind Fleisch, Fisch und Eier tabu. Joghurt, Sahne und andere Milchprodukte sind hingegen erlaubt.

VEGANER

Sie verzichten auf sämtliche Lebensmittel vom Tier, sogar auf Honig. Auch in anderen Bereichen lehnen Veganer tierische Grundstoffe ab, beispielsweise in der Kleidung: Materialien wie Leder, Seide und Schafwolle, aber auch Farbstoffe und Kleber, die aus tierischen Stoffen gewonnen werden, kommen ihnen nicht ins Haus. In der Regel resultiert ihre Haltung aus den Prinzipien des Tierschutzes und ethisch-moralischen Bedenken.

Strenge Veganer sind innerhalb der Gruppe Vegetarier eher in der Minderheit, aber auch diese Ernährungsphilosophie gewinnt immer mehr Anhänger und Interessenten.

Frutarier

Sie schützen nicht nur Tiere, sie lehnen es auch ab, Pflanzen Schaden zuzufügen. Deshalb ernähren sie sich ausschließlich von den Früchten der Pflanzen, also zum Beispiel von Nüssen, Obst, Gemüse und Samen. Knollengemüse oder Wurzeln von Pflanzen sind dagegen von ihrem Speiseplan gestrichen.

Weg vom Klischee

Das Klischee vom müden, blutleeren Fleischverzichter mit selbst gestrickten Socken und Jutetasche stimmt schon lange nicht mehr. Der moderne Vegetarier ist gebildet und urban.

Nach Angaben des Vegetarierbundes Deutschland (VEBU) steigt die Anzahl der Vegetarier beständig. Im Jahr 2014 verzichteten in Deutschland bereits rund acht Millionen Menschen auf Fleisch. Die meisten Vegetarier leben in Großstädten und sind zwischen 20 und 28 Jahre alt.

Glückliches Schwein

Vegetarier: Sinn für den Tierschutz

In den Industrienationen spielen häufig ethisch-moralische Bedenken eine Rolle, wenn auf Fleisch verzichtet wird. Massentierhaltung, Antibiotika im Fleisch, Tiertransporte, Käfighaltung, Stress bei Schlachtungen – all diese Begriffe verbinden wir mit erschreckenden Bildern.

Jahr für Jahr werden weltweit über zwei Milliarden Stall- und Weidetiere sowie über 20 Milliarden Geflügeltiere getötet, um gegessen zu werden. Viele Menschen wollen dies nicht mehr mit ihrem Konsumverhalten unterstützen.

Vegetarier und das ökologische Bewusstsein

Auch ökologische Gründe sprechen für den Fleischverzicht: In den Entwicklungsländern werden große Flächen gerodet, um Weidefläche für Tiere zu gewinnen. Auch der Regenwald, der für das ökologische Gleichgewicht der Erde so wertvoll ist, fällt diesen Rodungen zum Opfer. Außerdem gehen große Landteile als Anbaufläche für Futtermittel verloren.

Nehmen wir an, ein Stück Land ist als Weideland und Futteranbaufläche groß genug, um schließlich 50 Kilogramm Fleisch zu erzeugen. Auf der selben Fläche könnten stattdessen 6000 Kilo Karotten, 4000 Kilo Äpfel oder 1000 Kilo Kirschen erzeugt werden.

In der Klimadiskussion spielt die Massentierhaltung ebenfalls eine Rolle. Methan gehört zu den berüchtigten Treibhausgasen, die das Klima beeinflussen. Es gibt diverse Emissionsquellen für Methan, aber auch bei der Verdauung von Wiederkäuern – wie Rindern – entsteht Methangas. Mit der Massentierhaltung steigt natürlich auch die Menge des ausgeschiedenen »Klimagases« Methan.

Vegetarismus aus Notwendigkeit

In vielen Teilen der Welt ist vegetarische Ernährung jedoch keine Frage der Einstellung, sondern reine wirtschaftliche Notwendigkeit.

Weltweit ernährt sich etwa eine Milliarde Menschen vegetarisch, dies betrifft vor allem die Menschen in den Entwicklungsländern. Nach Schätzungen würde die derzeit landwirtschaftlich nutzbare Fläche der Erde für eine Lebensmittelversorgung für circa zehn Milliarden Menschen ausreichen, wenn sich die Menschen ausschließlich vegetarisch ernähren würden.

Die Pudding-Vegetarier

Zum Frühstück Weißbrot mit Nutella, zum Mittagessen Pommes mit Ketchup, zum Abendessen Pizza Margherita und zwischendurch ein Schokopudding.

Sicher kennt jeder von uns Tage, an denen der Speiseplan so aussieht. Vegetarisch ist das zwar, je nach Produktauswahl sogar vegan, aber gesund ist diese Zusammenstellung eher nicht.

Sollte die Speisenauswahl häufiger so oder so ähnlich aussehen, gehört ihr zu den „Pudding-Vegetariern“. Die meiden in ihrer Ernährung zwar Fleisch und Fisch, nehmen jedoch besonders häufig Fertigprodukte und Süßigkeiten zu sich.

Ethische und moralische Motive stehen bei Pudding-Vegetariern im Vordergrund.

Muffin mit Puddingcreme-Füllung

Muffin mit Puddingcreme-Füllung – eine perfekte Süßigkeit für die sogenannten Puddingvegetarier

Auf die Gesundheit – bessere Werte für Vegetarier

Für viele Menschen spielen jedoch gesundheitliche Gründe eine wichtige Rolle bei der Entscheidung, sich fleischlos zu ernähren. Tatsächlich scheinen Vegetarier einen gesundheitlichen Vorteil zu haben – und das nicht nur, weil sie gesundheitsbewusster leben und essen.

Eine Studie der London School of Hygiene and Tropical Medicine hat 11.000 Vegetarierinnen zwölf Jahre lang beobachtet. Sie verglich ihre Teilnehmerinnen mit einer Kontrollgruppe, die – abgesehen vom Fleischkonsum – eine ähnliche Lebensweise und einen vergleichbaren sozialen Status wie die untersuchten Vegetarierinnen hatte.

Das Ergebnis: Die Vegetarier wiesen im Vergleich bessere Werte auf. Sie hatten niedrigere Blutdruck- und Blutfettwerte, eine aktivere Niere und ein gesünderes Körpergewicht. Die Sterberate war um 20% und die Krebstodesrate sogar um 40% niedriger als bei der Fleisch essenden Kontrollgruppe. Auch das Risiko, an ernährungsbedingten Krankheiten wie Diabetes Typ II zu erkranken, ist bei Vegetariern geringer.

Ausgewogen und nährstoffreich muss es sein

Nach derzeitigem Stand der Forschung lässt sich nicht abschließend klären, ob durch fleischlose Ernährung oder durch einen allgemein gesünderen Lebenswandel ein besserer Gesundheitszustand erreicht wird.

Auf jeden Fall gibt es gute Gründe dafür, den Fleischkonsum zu reduzieren. Solange sie ausgewogen ist, kann die vegetarische Ernährung als gesund bezeichnet werden. Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht sind dabei jedoch einige Punkte zu beachten.

So muss die Ernährung so zusammengestellt sein, dass eine ausreichende Versorgung mit Eiweiß, Eisen, Zink und den B-Vitaminen gewährleistet ist. Dies gilt vor allem für Kinder. Auch Kalzium und Jod müssen ausreichend aufgenommen werden. Vegetarier, die Milch, Milchprodukte und Eier essen und sich ansonsten mit Getreide, Gemüse, Hülsenfrüchten und Nüssen vollwertig ernähren, erhalten normalerweise ausreichend Nährstoffe.

Eine streng vegane Ernährung, bei der tierisches Eiweiß völlig fehlt, wird von manchen Ernährungswissenschaftlern dagegen eher kritisch betrachtet.

Mehr zum Thema findet ihr unter:

(ae)

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