Vegane Ernährung

Im Zweifel für das Tier

Fisch, Fleisch, Honig, Eier, Käse und auch andere Milchprodukte sind für Veganer tabu. Ein veganer Speiseplan ist nicht einfach umzusetzen. Doch das Interesse an dieser Ernährungsweise scheint zu steigen.

Veganer galten lange Zeit als eine Randgruppe der Gesellschaft. Mittlerweile ist vegan „schick“, gilt als klimaschonend und umweltbewusst. Der Vegetarierbund Deutschland (VEBU) schätzte im Januar 2015 die Zahl der in Deutschland lebenden Veganer auf etwa 900.000.

Veganer verzichten auf alle Lebensmittel, die von Tieren stammen. Eine radikale Gruppe unter ihnen sind die Frutarier. Sie schützen nicht nur Tiere, sie lehnen es auch ab, Pflanzen Schaden zuzufügen. Deshalb ernähren sie sich ausschließlich von den Früchten der Pflanzen, also zum Beispiel von Nüssen, Obst, Gemüse und Samen. Sie essen jedoch kein Knollengemüse oder die Wurzeln von Pflanzen.

buckwheatporridge © nikesherztanzt

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Veganismus als Lebensphilosophie

Viele Veganer verstehen Veganismus als Lebensphilosophie, die sich nicht nur auf die Ernährung auswirkt. Sie verzichten auch auf Textilien, Schuhe oder andere Produkte aus tierischen Rohstoffen wie Wolle und Leder. Für sie ist es wichtig, dass Tieren kein Leid zugefügt wird.

Vegane Ursprünge

Der 2005 verstorbene Brite Donald Watson hatte 1944 gemeinsam mit Freunden die Vegan Society gegründet. Denn Watson ging der Verzicht auf Fleisch nicht weit genug. Um jene Vegetarier zu bezeichnen, die auch Milchprodukte und Eier mieden, prägte er schließlich aus den Anfangs- und Endbuchstaben des englischen Begriffes vegetarian die Wortneuschöpfung vegan.

Anlässlich ihres 50. Geburtstags rief die Organisation am 1. November 1994 erstmals den inzwischen jährlich zelebrierten Weltvegantag ins Leben.

Das Problem mit der Eindeutigkeit

Es ist übrigens gar nicht so einfach, bestimmte Lebensmittel als eindeutig vegan zu erkennen. Berühmt geworden sind die Gummibärchen mit Gelatine: Bevor Vegetarier und Veganer darauf hinwiesen, war vielen Menschen gar nicht bewusst, dass Gelatine aus tierischem Protein gewonnen wird. Auch andere Aromen und Zusatzstoffe werden auf der Basis tierischer Substanzen hergestellt, ohne dass dies kenntlich gemacht wird.

Eine Kennzeichnung für vegane Produkte gibt es bislang nicht. Einige Hersteller nutzen das Vegan-Siegel der Europäischen Vegetarier-Union (V-Label). Wer sichergehen möchte, dass die Produkte im Supermarkt wirklich vegan sind, muss selbst die Zutatenliste prüfen oder sich beim Hersteller informieren.

Viele bunte Gummibärchen

Mittlerweile ist auch veganes Fruchtgummi im Handel erhältlich

Vegane Ernährung und die Gesundheit

Was für Vegetarier gilt, ist für Veganer noch wichtiger: darauf zu achten, dass dem Körper alle erforderlichen Nährstoffe zugeführt werden. Die Ernährung muss also abwechslungsreich sein und sorgfältig zusammengestellt werden.

Veganer essen vor allem Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen und Getreide. Einige Nährstoffe sind in pflanzlichen Lebensmitteln jedoch nur in geringen Mengen oder aber gar nicht enthalten. Deshalb besteht das Risiko einer Mangelernährung.

Wichtige Quellen für Kalzium (fachsprachlich: Calcium) sind bei der veganen Ernährung vor allem Sesam, grünes Gemüse, Nüsse, calciumreiches Mineralwasser, Samen oder mit Calcium angereicherte Milchersatzprodukte, wie Soja oder Reismilch. Als Eiweißquellen und Ersatz für Fleisch und Eier kommen Nahrungsmittel wie Seitan, Tofu, Kichererbsen, Linsen, Bohnen, Chia-Samen, aber auch Nüsse in Betracht.

französischer Brotsalat © nikesherztanzt

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Besonders kritisch ist es, ausreichend Vitamin B12 aufzunehmen. Dieser Nährstoff wird für die Blutbildung und das Nervensystem gebraucht und ist fast ausschließlich in tierischen Lebensmitteln enthalten. Veganer müssen also darauf achten, Vitamin B12 mit entsprechend angereicherten Lebensmitteln oder mit Nahrungsergänzungsmitteln zu sich zu nehmen. Regelmäßige Blutuntersuchungen können Hinweise auf Mangelerscheinungen bieten.

Ebenso wie Vegetarier scheinen Veganer im Schnitt einen besseren Gesundheitszustand aufzuweisen: Im Mittel sind sie schlanker, haben einen niedrigeren Blutdruck und erkranken seltener an Diabetes Typ II, Fettstoffwechselstörungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Grund dafür kann sein, dass die rein pflanzliche Ernährung mehr Ballaststoffe, Vitamine, ungesättigte Fettsäuren und Mineralstoffe enthält und dafür weniger Fett und Proteine aufgenommen werden.

Aufwendig und nicht jugendfrei

Aber der Verzicht auf tierische Nahrung ist aufwendig und auch nur bei einer vielseitigen und ausgewogenen Kost wirklich gesund und effektiv.

Kinder und Jugendliche sollten nicht vegan ernährt werden, das Risiko einer Mangelernährung ist bei ihnen einfach zu hoch. Denn solange sich Kinder in der Wachstumsphase befinden, benötigen sie deutlich mehr Nährstoffe als Erwachsene. Mediziner warnen, dass eine unzureichende Nährstoffzufuhr zu irreversiblen Schäden in der Entwicklung führen könnte.

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(ae)

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