Paleo-Ernährung

Essen wie ein Steinzeitmensch

Die Paleo-Ernährung gewinnt immer mehr Anhänger. Was als neuer Ernährungstrend daherkommt, ist im Grunde eine Rückbesinnung: »Essen wie ein Steinzeitmensch« könnte man das Motto dieses Ernährungsstils auch nennen. Auf die Mammutjagd muss man dazu heute allerdings nicht gehen – aber einige urzeitliche Regeln befolgen.

»Paläo-« bedeutet so viel wie »altertümlich« oder »urtümlich«. Mittlerweile hat sich aber auch bei uns die englische Schreibweise »paleo« eingebürgert. Eines zur Klärung vorweg: Paleo-Ernährung – auch Steinzeiternährung oder noch richtiger Altsteinzeiternährung genannt – bedeutet nicht, dass wir im Lendenschurz über die Felder laufen, Speere schwingen und Wildtiere jagen müssen. Wir können also aufatmen.

Steinzeiternährung – richtiger wäre eigentlich: Altsteinzeiternährung – zielt vielmehr darauf ab, dass wir unsere Nahrung so zusammenstellen, wie es unsere Ahnen der Urzeit taten. Viel Fleisch, Fisch und Fett, dafür Verzicht auf Zucker, Getreide und Hülsenfrüchte.

Steinzeitliche Wandmalerei Altamira

Während der Altsteinzeit ernährten sich die Menschen als Jäger und Sammler. Steinzeitliche Wandmalerei aus der Höhle von Altamira

Grundregeln der Paleo-Ernährung

Im Detail gehen die Meinungen, was eine Paleo-Ernährung beinhalten soll, auseinander. Grundsätzlich lassen sich jedoch für den Paleo-Speiseplan folgende Empfehlungen  herausfiltern:

  • Fleisch, Fisch und Eier sind erlaubt, so viel der Körper mag.
  • Gemüse in jeder Form und Farbe sind wünschenswert.
  • Obst und Nüsse sollten in Maßen genossen werden.

Gestrichen sind im Plan der Steinzeiternährung hingegen:

  • Zucker,
  • Milch und Milchprodukte,
  • Getreide und Hülsenfrüchte,
  • Pflanzenöle bzw. Pflanzenfette,
  • Fertiggerichte jeglicher Art.
Rindfleisch

Ein saftiges Stück Fleisch gehört zur Paleo-Ernährung unbedingt dazu

Man wundere sich nicht: Es gibt natürlich Ausnahmen. Verschiedene Vertreter der Paleo-Ernährung erlauben oft auch verschiedene Wege, dem Körper Fett zuzuführen. So ist Pflanzenmargarine in der Steinzeiternährung zwar tabu, Butter aber oft erlaubt, und Olivenöl gilt vielen als Alternative zu anderen pflanzlichen Ölen wie Sonnenblumenöl.

Mit der Neolithischen Revolution kam die Umstellung

Aus Sicht der Ernährung: Was trennt den Altsteinzeitmenschen denn vom modernen Homo sapiens? Ganz einfach: die sogenannte Neolithische Revolution. Allerdings gingen die Menschen zu jener Zeit nicht auf die Barrikaden und schwangen die (Ernährungs-)Keule. Nein, revolutionär war etwas ganz anderes: die veränderte Lebensweise.

Emmer-Anbau

Während der Neolithischen Revolution begann der Mensch, Ackerbau zu betreiben

Während der Altsteinzeit, also über rund zwei Millionen Jahre lang, hatten die Menschen als Jäger und Sammler für ihre Nahrung gesorgt. Je nach Lebensraum ein frisch erlegtes Mammut oder eine Antilope, eine fette Robbe oder die Eier aus einem Straußengelege, dazu Nüsse, Wildkräuter, Beeren – Zutaten dieser Art prägten den Speiseplan.

Mit der Neolithischen Revolution wurde der Mensch jedoch sesshaft und begann, Ackerbau und Viehzucht zu betreiben. Fortan bestimmten also Ackerbauern und Viehzüchter, was auf den Teller kam. Schafe, Ziegen und Kühe wurden gemolken, ihre Milch getrunken und weiterverarbeitet. Getreide und Hülsenfrüchte wurden angebaut und zu widerstandsfähigeren Arten gezüchtet. Der Speiseplan erweiterte sich zu bis dahin unbekannter Vielfalt.

Unser Erbgut hinkt hinterher

Doppelhelix DNA

Doppelhelix-Modell der DNA, eines wesentlichen Bestandteils des Erbguts

Allerdings – so argumentieren die Verfechter der Paleo-Ernährung – war der menschliche Organismus auf die neue Form der Ernährung nicht ausreichend vorbereitet. Genau genommen sei er es bis heute nicht. Gut zwei Millionen Jahre lang hatte der Körper Zeit gehabt, sich auf die altsteinzeitliche Ernährung einzustellen. Sein Erbgut war perfekt darauf abgestimmt.

Doch seit dem Beginn der Neolithischen Revolution sind gerade einmal 15.000 Jahre vergangen. Aus Sicht der Evolution ist das nicht einmal ein Wimpernschlag. Und Vertreter der Paleo-Ernährung argumentieren: Der menschliche Organismus hatte einfach nicht ausreichend Zeit, sich auf die veränderten Ernährungsgewohnheiten umzustellen. Unser Erbgut und damit unsere Fähigkeit, Nahrung zu verarbeiten, sind noch immer auf Steinzeit eingestellt.

Aus Sicht der Paleo-Verfechter reagiert der menschliche Körper deshalb auch heute noch mit Unverträglichkeiten und ist anfällig für Krankheiten wie Hyperglykämie (erhöhter Blutzuckerspiegel). Ein erhöhter Blutzuckerspiegel wiederum kann zu Diabetes führen. Auch das Risiko, an Krebs oder Allergien zu erkranken, wird durch die moderne Ernährung erhöht, heißt es.

Vorbilder für die Paleo-Ernährung: indigene Völker

Wer sich in modernen Zeiten nach Paleo-Art ernähren möchte, steht jedoch vor einer kleinen Schwierigkeit: Woher nimmt man das Vorbild für diese Ernährungsweise? Den exakten Speiseplan eines Steinzeitmenschen kann man heute nicht mehr nachvollziehen.

Stattdessen offenbare ein Blick auf die Ernährungsgewohnheiten indigener Völker, was gut für uns ist, argumentieren die Verfechter der Paleo-Diät.

San mit Straußen-Ei

Ein echtes Festmahl: Straußen-Ei für die San

Damit eröffnet sich allerdings auch ein neues Problem: Auf welches indigene Volk soll man denn schauen? Schließlich ist jedes Volk an seinen spezifischen Lebensraum angepasst, und die Arktis bietet nun einmal gänzlich andere Lebensbedingungen als die Trockensavanne. Traditionell leben die Inuit Grönlands überwiegend von fettreichen Robben, Walen und Fischen. Dagegen ernähren sich die San in der afrikanischen Kalahari hauptsächlich von Wurzeln, Beeren und fetthaltigen Nüssen, hin und wieder wird ein Kaninchen oder gar eine Antilope erlegt.

Die Paleo-Ernährung auf dem Prüfstein

Olivenöl

Olivenöl ist in der Paleo-Ernährung oft erlaubt

Ob die Verfechter der Paleo-Diät wirklich richtig liegen, kann die Wissenschaft noch nicht beantworten. Fundierte wissenschaftliche Studien, die ein erhöhtes Risiko für bestimmte Krankheiten oder Mangelerscheinungen eindeutig belegen, fehlen bislang.

Kritische Stimmen weisen darauf hin, dass sich der Körper in den letzten 15.000 Jahre zum Beispiel auch auf Milch und Milchprodukte eingestellt hat: Veränderungen im Erbgut haben dazu geführt, dass der Körper das Enzym Lactase produziert. Durch dieses Enzym kann der Organismus Milchzucker verdauen – also Milch und Milchprodukte verarbeiten. Dass sich der menschliche Stoffwechsel genetisch nicht an die neuen Nahrungsquellen anpassen konnte, ist für diesen Fall widerlegt.

Innerhalb der Paleo-Ernährung ist vor allem der Fettkonsum umstritten. Wie viel ist richtig – und wie sollen die lebensnotwendigen essenziellen Fettsäuren am besten aufgenommen werden? Schließlich lebt nicht jeder in der Arktis und hat Gelegenheit, fettes Robbenfleisch zu verzehren.

Da hilft dann wohl nur der Griff zu den Alternativen, zum Beispiel zum Olivenöl oder zu Avocados. Oder vielleicht doch zu vegetarischer Ernährung? Immerhin leben wir ja nun tatsächlich nicht mehr in der Steinzeit – Anpassungen können also nicht nur, sondern müssen erlaubt sein.

(br)

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