Gesunde Ernährung ist individuell

Mein Bauch gehört mir

Gesunde Ernährung liegt vielen Menschen am Herzen. Wertvolle Lebensmittel in ausgewogener Zusammensetzung und Menge sollen die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit steigern und dazu führen, dass wir überschüssiges Körperfett verlieren und abnehmen. Doch einer allgemeingültigen Definition, wie sich ein gesunder Ernährungsplan zusammensetzen soll, steht etwas Entscheidendes im Wege: die Individualität des einzelnen Menschen und seines Körpers.

An apple a day keeps the doctor away

An apple a day keeps the doctor away

»Das sind die Drüsen«, sagte meine Oma immer, wenn sie auf ihre rundliche Figur angesprochen wurde. Warum sollte sie sich Sorgen machen? Trotz ihrer Rubensfigur war sie sehr behände, und wir starben jedes Mal tausend Tode, wenn sie auch im hohen Alter wieder auf die Leiter kletterte, um Äpfel zu pflücken. Sie ernährte sich gesund, wie sie sagte, bereitete all ihre Mahlzeiten selbst zu, aß selten Fleisch und holte Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten.

Omas Blutzuckerwerte waren eins a, und ihr Blutdruck, wenn ich mich recht erinnere, eher zu niedrig als zu hoch. Kein Arzt hat ihr je einen Ernährungsplan in die Hand gedrückt, damit sie abnimmt. Ich habe mich oft gefragt, ob sie ihre robuste Gesundheit wohl wirklich ihrer Ernährung verdankte.

Eine ausgewogene Ernährung soll fit halten

Zehn Regeln für eine vollwertige Ernährung gibt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) auf ihrer Website an.1
Eine ausgewogene Ernährung umfasst demnach unter anderem

  • reichlich Getreideprodukte sowie Kartoffeln
  • täglich 5 Portionen Gemüse und Obst,
  • täglich Milch und Milchprodukte,
  • ein- bis zweimal in der Woche Fisch,
  • in Maßen Fleisch, Wurstwaren und Eier,
  • in Maßen Zucker und Salz,
  • wenig Fett und fettreiche Lebensmittel.

Ergänzt durch eine ausreichende Menge Flüssigkeit – bitte Wasser und nicht Bier, wie manche gern launig hinzufügen –, und regelmäßige sportliche Betätigung, sind dies die Grundpfeiler einer ausgewogenen und damit wohl auch gesunden Ernährung: Sie hält den Körper auch auf lange Sicht fit. Meine Oma hätte zustimmend genickt.

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© nikesherztanzt

Die großen und kleinen Sünden der Ernährung

Ganz und gar ungesund sind dagegen Fast Food anstelle von schonend zubereiteten Zutaten, regelmäßiger Alkoholkonsum und gezuckerte Getränke anstelle von Wasser, Süßigkeiten anstelle von Obst. Diese kleineren und größeren Sünden führen über kurz oder lang zu Übergewicht. Und mit dem Übergewicht sind die berüchtigten Zivilisationskrankheiten vorprogrammiert: Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Allergien und vieles mehr. So lautet zumindest die landläufige Meinung und Praxis mit all ihren hilfreichen Tipps zu Fettkillern, Blitzdiäten und zur gesunden Ernährungsumstellung.

Wenn da nicht die großen »Aber« wären.

Kugelrund und gesund

Das erste große Aber ist die Beurteilung des Körpergewichts. Um zu entscheiden, ob ein Mensch übergewichtig ist, wird noch immer gern der Body-Mass-Index (BMI) herangezogen.

Der BMI setzt die Körpergröße ins Verhältnis zum Körpergewicht und soll definieren, ob ein Mensch übergewichtig ist. Der BMI steht jedoch auch schon lange in der Kritik: Er sei nicht aussagekräftig, weil er nicht zwischen Fett- und Muskelmasse des Körpers unterscheidet. Muskeln wiegen nun einmal mehr als Fett. Ein muskulöser Sportler kann einen „ungesund“ hohen BMI haben, ist deshalb aber längst nicht übergewichtig oder gar krank.

BMI in der Kritik

Der BMI ist nicht geeignet, das Körpergewicht im Blick auf das Gesundheitsrisiko zu beurteilen

Darüber hinaus wertete eine wissenschaftliche Studie der University of California in Los Angeles (UCLA) 2015 die Daten von 40.000 Amerikanern aus. Ihre Ergebnisse rechneten die Forscher auf die Gesamtbevölkerung der USA hoch. Das überraschende Ergebnis: 54 Millionen Amerikaner leben mit einem hohen BMI und sind dabei trotzdem gesund: Weder ihr Blutdruck und Blutzuckerspiegel noch ihre Cholesterinwerte sind erhöht.2

Also kann auch ein stark übergewichtiger Mensch kerngesund sein – und der BMI sagt über die Gesundheit eines Menschen nichts aus. Im Umkehrschluss wird deutlich: Eine Ernährung, die zu Übergewicht führt, muss nicht zwangsläufig auch krank machen.

Lebensmittel: des einen Leid, des anderen Freud

Das zweite große Aber liegt in der Individualität des Menschen. Was des einen Freud, ist des anderen Leid: Dieser Grundsatz gilt auch für die Verwertung und Verträglichkeit der Nahrung.

Wie gesund oder ungesund ein Lebensmittel ist, wird zum Beispiel über den Blutzuckerspiegel beurteilt. Lässt das Lebensmittel den Blutzuckerspiegel in die Höhe schnellen, gilt dies als ungesund.

Tomaten können laut einer Studie den Blutzuckerspiegel erhöhen

Bei einigen Menschen scheint der Genuss von Tomaten den Blutzuckerspiegel in die Höhe zu treiben

Allerdings kann man keine allgemeingültige Liste gesunder Lebensmittel aufstellen, wie eine weitere Studie offenbarte. Das Weizmann Institute of Science in Israel untersuchte akribisch die Wirkung des Ernährungsverhaltens auf den Blutzuckerspiegel, der als Indikator für eine Diabetes-Erkrankung gilt. 800 Probanden stellten dabei den repräsentativen Durchschnitt der israelischen Bevölkerung. Und siehe da: Sie fanden beispielsweise eine Frau, die auf den Genuss von Tomaten mit kritisch erhöhtem Blutzuckerspiegel reagierte. Dabei gelten Tomaten nun wirklich als gesundes Gemüse.3

Gesundheit ist eindeutig: individuell

Was sagt uns das? Natürlich ist eine ausgewogene Ernährung für die Gesundheit empfehlenswert. Doch es lässt sich kein allgemeingültiger Ernährungsplan aufstellen, der Gesundheit garantiert.

Ebenso wenig können wir behaupten, eine ungesunde Ernährung mache auf jeden Fall auch krank. Gewiss ist das Risiko größer, an Übergewicht zu leiden und an Bluthochdruck oder Diabetes zu erkranken, wenn man sich überwiegend von Fast Food ernährt. Absolute Sicherheit aber gibt es nicht.

Kugelrund und gesund – lachender Buddha

Kugelrund, glücklich und gesund: Gesunde Ernährung ist nun einmal individuell

Ob eine Ernährung rundherum gesund ist oder nicht, das ist und bleibt so individuell wie der Mensch selbst. Wie sie sich auf den Körper auswirkt, hängt auch von weiteren Faktoren ab: zum Beispiel von der genetischen Veranlagung, von den Umweltbedingungen oder auch von dem körperlichen oder seelischem Stress, dem der Einzelne ausgesetzt ist.

(br)

 

1Quelle:
http://www.dge.de/ernaehrungspraxis/vollwertige-ernaehrung/10-regeln-der-dge/ (abgerufen am 23.02.2016)

2Quellen:
http://newsroom.ucla.edu/releases/dont-use-body-mass-index-to-determine-whether-people-are-healthy-ucla-led-study-says (abgerufen am 23.02.2016)
http://www.nature.com/ijo/journal/vaop/naam/abs/ijo201617a.html (abgerufen am 23.02.2016)

3Quellen:
http://www.wisdom.weizmann.ac.il/~/eran/zeevi_cell_2015.pdf (abgerufen am 23.02.2016)
http://www.wissenschaft.de/home/-/journal_content/56/12054/8829293 (abgerufen am 23.02.2016)

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