Erdbeer-Liebe

Schale mit Erdbeeren

Dem Himmel sei Dank, es ist wieder Erdbeerzeit! Gibt es bessere Früchte als Erdbeeren? Für mich nicht. Schon als Kind habe ich die süßen Beeren geliebt – die botanisch keine Beeren, sondern Sammelnussfrüchte sind, schon klar – und konnte es kaum erwarten, dass sie im Beet heranreiften. Wenn es dann ungefähr ab Juni endlich so weit war und meine Oma die Erdbeerpflanzen zum Pflücken freigab, konnte ich meine Finger kaum aus dem Beet lassen – ich ließ mich nicht einmal von den Spinnen, die zwischen den Pflanzen herumrannten, abschrecken, und das will bei meiner Spinnen-Panik etwas heißen. Meine Reihe war denn auch immer viel zu schnell leergepflückt. Süß, saftig, aromatisch, immer wieder großartig.

Mag sein, dass ich die Erinnerungen meiner Kindheit überhöhe und alles viel rosiger, duftender und erdbeeriger ausmale, als es tatsächlich war. Doch auch ohne nostalgische Gefühle schmecken die auf den angeblichen Verbrauchergeschmack hin hochgezüchteten Sorten, die heutzutage im Supermarkt angeboten werden, oft nur fade. Wer auf regionale Herkunft achtet, der wird sowieso erst einmal mächtig übers Ohr gehauen: »Erdbeeren aus Deutschland« wurden nicht zwangsläufig auch in Deutschland geerntet, wie Journalisten von »Marktcheck« (SWR) herausfanden. Die Proben, die sie in einem Labor untersuchen ließen, stellten sich als Erdbeeren südeuropäischer Herkunft heraus, andere stammten wahrscheinlich aus den Niederlanden. Allerdings waren den Journalisten die Früchte als deutsche Erdbeeren zum entsprechend höheren Preis verkauft worden.1

Auf dem Wochenmarkt steigt meine Chance, »authentische« Früchte regionaler Herkunft zu bekommen. Ein Hinweis auf deutsche Ernte ist laut »Marktcheck« zum einen die Sorte: Zu Saisonbeginn gibt’s in Deutschland eigentlich nur die früh tragende »Clery«, die man an ihrer länglichen Kegelform erkennt. Auch das Pappschälchen ist typisch für deutsche Erdbeeren – ausländische Hersteller verwenden meistens Plastikschälchen. Aber eben nur meistens, sicher kann ich auch hier nicht sein.2

So bleibt das Selbstpflücken im Erdbeerfeld des nahegelegenen Bauern. Das ist doch auch mal eine lohnende Abwechslung – sofern man rechtzeitig vor den Heerscharen der nicht weniger begeisterten Konkurrenzpflücker eintrifft. ;-)

Richtig glücklich aber war ich, als ich herausfand, dass man Erdbeeren auch auf dem Balkon pflanzen kann. Ich weiß ja vieles nicht, manches Wissen erreicht mich nur auf sehr verschlungenen Pfaden. Immerhin darf ich mit Fug und Recht und sehr zufrieden behaupten: Die Erdbeerpflanze auf meinem Balkon hat mir viele ertragreiche Momente beschieden.

Ich hätte auch nicht gedacht, dass sich so viele verschiedene Erdbeer-Sorten dort draußen tummeln, die ganz unterschiedliche  Voraussetzungen verlangen, wenn man sie erfolgreich im Garten oder auf dem Balkon kultivieren möchte. Selbstbefruchter und Befruchtersorten – nie zuvor gehört. Für mich waren Erdbeeren eben Erdbeeren, und sie stammten von den unglaublich aromatischen kleinen Walderdbeeren ab – wovon denn auch sonst? Tja, weit gefehlt, die heutigen großfruchtigen Sorten verdanken wir nicht den europäischen Walderdbeeren, sondern der Neuen Welt. Die Gartenerdbeere wurde erstmals zur Mitte des 18. Jahrhunderts gezüchtet. Man kreuzte sie aus Sorten, die in Amerika entdeckt worden waren: aus der nordamerikanischen Scharlach-Erdbeere und der südamerikanischen Chile-Erdbeere.

Walderdbeere

Walderdbeere

Eine Handvoll Erdbeeren

Weil das Aroma heutiger Handelssorten oft nur noch entfernt an Erdbeeren erinnert, besinnen sich viele Menschen wieder auf ältere Züchtungen. Die wurden lange Jahre als reine »Liebhabersorten« gehandelt, doch mittlerweile ist auch hier ein Trend zur Ursprünglichkeit zu verzeichnen, so dass man alte Sorten wieder häufiger und nicht nur bei ausgesprochenen Erdbeer-Liebhabern und -Kennern antrifft.

Eine der bekanntesten älteren Sorten, die sich wieder zunehmender Beliebtheit erfreuen, ist »Mieze Schindler«, eine sehr aromatische Züchtung aus dem Jahr 1925. Wer sie im Garten oder auf dem Balkon anpflanzen möchte, der benötigt zusätzlich eine sogenannte Befruchtersorte. Denn man unterscheidet bei Erdbeeren selbstbefruchtende einhäusige Sorten – dabei bildet die Erdbeerpflanze sowohl weibliche als auch männliche Blüten aus – von solchen, die sich nicht selbst befruchten können, weil sie zweihäusig sind, die Pflanze also entweder männliche oder weibliche Blüten ausbildet. Die »Mieze Schindler« trägt ausschließlich weibliche Blüten. Es braucht aber nun mal beide Blütengeschlechter, andernfalls gibt’s keine Erdbeerkinderchen. ;-) Und deshalb muss man zu diesen rein weiblichen Pflanzen immer auch Befruchtersorten pflanzen.

Gleichgültig, welche Sorte ihr bevorzugt, Erdbeeren sind gesund – waschechtes Superfood. ;-) Sie sind reich an Vitamin C und an Mineralstoffen, darunter Kalzium, Eisen und Zink. Sie enthalten außerdem Folsäure, die während der Schwangerschaft wichtig ist, und eine ordentliche Portion Polyphenol, eines dieser Phytamine, denen man vorbeugende Wirkung gegen Krebs nachsagt. Erdbeeren passen zu jeder Ernährungsweise, von vegan bis paleo – es ist nachgewiesen, dass sich schon Steinzeitmenschen an den Früchten gelabt haben. Und den Figurbewussten unter euch sei versichert, dass Erdbeeren auch noch kalorienarm sind: Bei rund 35 Kalorien pro 100 Gramm darf man ordentlich davon naschen, ohne um die Taille bangen zu müssen. ;-)

Aber selbst wenn sie kalorienreich wären, auf Erdbeeren würde ich niemals verzichten wollen. Am liebsten esse ich sie einfach von der Pflanze in den Mund. Ich brauche nicht einmal unbedingt Waffeln, Biskuits oder Bowle dazu, auch wenn das alles keineswegs zu verachten ist. :-) Und bei Nike habe ich ein Rezept für einen Erdbeer-Fruchtaufstrich mit Chiasamen gefunden, der so verblüffend simpel zuzubereiten ist, dass sogar ich als Küchen-Null ihn ohne Selbstverstümmelungen nachbasteln kann. Es dauert nur wenige Minuten: quetschen, rühren, fertig. Kann ich, mach ich. Und er ist lecker! Nike hat dafür ein Rezept von Juli aufgegriffen und leicht abgewandelt, als wiederum Clara von Tastesheriff ein »Ich back’s mir« ausgerufen hatte – Jesses, diese Blogger-Wege sind mindestens ebenso verschlungen wie meine Wege der Erkenntnis. ;-)

Lasst es euch schmecken.

(br)

1 „Deutsche Erdbeeren“. Wie Händler bei der Herkunft tricksen. Marktcheck/SWR, Sendung vom 17.5.2016

2 „Deutsche Erdbeeren“. Wie Händler bei der Herkunft tricksen. Marktcheck/SWR, Sendung vom 17.5.2016

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